Das Ozonloch schrumpft weiter – ein Grund zur Freude?
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Am 16.9.2025 erreicht uns eine freudige Nachricht: Das Ozonloch schrumpft weiter! Die Weltwetterorganisation (WMO) berichtet, dass im Jahr 2024 das Ozonloch deutlich kleiner war als in den Jahren davor. Das bestätige die Wirksamkeit der Maßnahmen, die vor 40 Jahren beim Wiener Übereinkommen beschlossen und später im Montreal-Protokoll festgeschrieben wurden. Was das für uns bedeutet und warum wir uns trotzdem nicht zurücklehnen dürfen, zeigt unser Artikel.
Die Ozonschicht in etwa 15 bis 30 Kilometer Höhe schützt uns vor zu energiereicher ultravioletter (UV-)Strahlung der Sonne. Wenn sie dünner wird, steigt das Risiko für Hautkrebs, Augenkrankheiten und Schäden im Erbgut. Im Jahr 2000 und 2015 hatte das Ozonloch jeweils eine Rekordgröße. Doch aktuelle Meldungen zeigen: Die Ozonschicht erholt sich.
Was sagt der aktuelle Bericht?
- Laut dem WMO Bulletin (World Meteorological Organization) war das Ozonloch im Jahr 2024 kleiner als in den Jahren zuvor.
- Verantwortlich dafür sind langjährige internationale Abkommen wie das Wiener Übereinkommen (1985) und das Montreal‐Protokoll (1987), mit späteren Änderungen wie dem Kigali-Beschluss.
- Diese Abkommen haben dazu geführt, dass über 99 % der Produktion und Nutzung der wichtigsten ozonabbauenden Substanzen (z. B. FCKW) zurückgegangen sind.
- Prognosen sagen, dass (bei gleichbleibenden Voraussetzungen, Anm. der Redaktion) die Ozonschicht bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts (etwa in den 2060er Jahren) weitgehend wieder das Niveau von vor den 1980er Jahren erreichen wird.
- Dennoch gibt es natürliche Schwankungen (z. B. durch Wetterverhältnisse, Temperaturschichtungsänderungen, die sogenannte Brewer-Dobson-Zirkulation), die kurzfristig Rückschläge verursachen können.

Abbildung: Historische und prognostizierte Entwicklung der Ozonschicht über dem Südpol und die Reduktion des Ozone-Holes (z. B. Vergleich von 1971, 2017, 2041).
Positive Auswirkungen für Menschen und Umwelt
Die positiven Auswirkungen lassen sich etwa im Gesundheitsschutz erkennen. Durch stärkeren UV-Schutz sinkt das Risiko für Hautkrebs, Augenerkrankungen (z. B. Katarakte) und DNA-Schäden. Menschen in sonnigen Regionen profitieren besonders. Aber auch unsere Ökosysteme und die Landwirtschaft profitieren davon.
Tiere, Pflanzen und Wasserlebewesen sind empfindlich gegenüber UV-Strahlung. Eine stabilere Ozonschicht schützt Biodiversität und Erträge in der Landwirtschaft, besonders in Hochgebirgslagen und tropischen Regionen. Nun sollte der Moment gekommen sein, um die Signalwirkung globaler Kooperation zu erkennen, denn der Erfolg der Abkommen zeigt, dass internationale Politik und Wissenschaft gemeinsam wirksam handeln können. Dies stärkt das Vertrauen in multilaterale Klima- und Umweltabkommen.
Komplexe Aspekte und Grenzen
Bei all der erfreulichen Entwicklung dürfen wir allerdings die Grenzen dieser Entwicklungen nicht außer Acht lassen. Einerseits ist der Prozess einer langsamen Regeneration geschuldet, der auch verbleibende Risiken birgt. Denn obwohl die Richtung stimmt, dauert die vollständige Erholung Jahrzehnte. In Regionen mit ungünstigen atmosphärischen Bedingungen kann es weiterhin verstärkt zu Ozonverlust kommen.
Zudem gibt es natürliche Schwankungen. Das bedeutet, das Wetterphänomene, Temperaturveränderungen oder Zirkulationsmuster der Atmosphäre kurzfristige Rückschläge verursachen können. Einige Studien warnen, dass z. B. eine langsamere Brewer-Dobson-Zirkulation die Erholung verzögern kann.
Letztlich muss man beachten, dass die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf CO₂-Klimaschutz begrenzt sind. Die Mechanismen beim Ozonloch-Abbau sind chemisch klarer und zielgerichteter als viele CO₂-Probleme. Bei CO₂, Methan etc. sind Quellen viel vielfältiger, schwerer zu regulieren und tiefgreifender in Wirtschaft und Infrastruktur verankert.
Was muss in den nächsten 5 Jahren geschehen?
In den kommenden fünf Jahren wird es entscheidend sein, die bisherigen Erfolge konsequent abzusichern. Das bedeutet in erster Linie, dass die bestehenden internationalen Abkommen wie das Montreal-Protokoll und seine Erweiterungen streng eingehalten und kontrolliert werden müssen. Nur so lässt sich verhindern, dass durch illegale Emissionen oder Nachlässigkeit die bisherigen Fortschritte wieder gefährdet werden.
Ebenso wichtig ist der weitere Ausbau von Mess- und Überwachungssystemen. Moderne Satelliten und Bodenstationen liefern Daten, die helfen, ungewöhnliche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und genauere Prognosen zu erstellen. Damit verbunden sollte die Forschung zu atmosphärischen Prozessen intensiviert werden. Besonders die Wechselwirkungen zwischen Ozon, Klimawandel und großräumigen Zirkulationsmustern wie der Brewer-Dobson-Zirkulation verdienen mehr Aufmerksamkeit, um besser auf unvorhersehbare Ereignisse reagieren zu können.
Darüber hinaus spielt die Kommunikation eine zentrale Rolle. Der Erfolg beim Schutz der Ozonschicht ist ein starkes Symbol für die Wirksamkeit internationaler Zusammenarbeit – dieses Beispiel sollte stärker genutzt werden, um Menschen weltweit für den Klimaschutz zu motivieren. Schließlich gilt es, den Ozon- und Klimaschutz stärker miteinander zu verknüpfen: Maßnahmen wie der Ersatz schädlicher Kühlmittel durch klimafreundliche Alternativen oder die Entwicklung energieeffizienter Kühltechnologien wirken in beiden Bereichen positiv.
Wenn es gelingt, diese Punkte entschlossen anzugehen, kann die Erholung der Ozonschicht nicht nur gesichert, sondern auch als Vorbild für andere globale Umweltprobleme dienen.
Fazit
Die Entwicklung der Ozonschicht ist ein gutes Beispiel dafür, dass wissenschaftlich gestützte internationale Maßnahmen wirken können. Nach jahrzehntelanger Schädigung zeigen die Daten, dass das Ozonloch sich zurückbildet, und zwar in einem Tempo, das – sofern die Maßnahmen gehalten werden – zu einem weitgehenden Schutz ähnlich dem Stand vor den 1980er Jahren führen kann. Für die nächsten fünf Jahre wird es wichtig sein, konsequent zu bleiben, die globalen Abkommen zu stärken, Forschung und Monitoring auszubauen und die Erfolge auch als Motivation für andere Umwelt- und Klimaprobleme zu nutzen.
Weiterführende Quellen
Zum aktuellen WMO Bericht „WMO Ozone and UV Bulletin No. 3 – September 2025„
APA – 40 Jahre Wiener Konvention zum Schutz der Ozonschicht, 15.9.2025
ORF – Das Ozonloch schrumpft weiter, 16.9.2025
WMO – WMO Bulletin shows recovery of ozone layer, driven by science, 16.9.2025
ARD ALPHA – Klimawandel fördert den Ozonloch-Effekt, 21.4.2023
Copernicus.eu – OBSERVER: Evolution of the Ozone Hole 1979 to 2021, 30.3.2023
UN – 2025 Theme: International Day for the Preservation of the Ozone Layer, From science to global action
